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Theodor Körners ... Brief ... aus Berlin

Bibliophiles des Monats September ist der Faksimile-Druck „Theodor Körners erster Brief vom 26. März 1811 an seine Eltern nach seiner Ankunft in Berlin“. Damit wurde in diesem Monat eine Schrift gewählt, die den Teilnehmern der Gründungsveranstaltung des Berliner Bibliophilen-Abend am 12. Januar 1905 überreicht wurde und die einen Monat zuvor den Teilnehmern der Generalversammlung der Gesellschaft der Bibliophilen aus Anlass ihrer Generalversammlung in Berlin am Sonntag, dem 18. Dezember 1904 von Ernst Frensdorff, dem späteren Schriftführer des BBA, gewidmet wurde.
Sie erschien 1904 in Berlin und besteht aus 2 broschierten Blättern in Kordelbindung im Format 8° (21 x 13,5 cm).


Dieser Titel ist die erste Gabe des Berliner Bibliophilen-Abend, zu dessen Gründung sich 27 Mitglieder in den Frederichs Weinstuben in der Potsdamer Str. zusammengefunden haben und wird zur internationalen Antiquariatsmesse, der Rare Books Berlin, vom 18. bis 20. September im Kronprinzenpalais gezeigt.

Das illustrierte Wörterbuch des Buches

Bibliophiles des Monats ist diesmal ein Buch, welches Bibliophilie selbst zum Thema hat: das „Wörterbuch des Buches“ in einer illustrierten Neuausgabe der Favoritenpresse.

Sicher hat fast Jeder, der in irgendeiner Weise mit dem Buch zu tun hat, diesen Titel, entweder in der 1. Auflage von Helmut Hiller, die bei dem inzwischen erloschenen Verlag Vitttorio Klostermann 1954 erschien, oder in einer späteren, mit Stefan Füssel (der seit 2024 alleiniger Rechteinhaber ist) überarbeiteten Auflage in seiner Bibliothek.
Die im August zum Bibliophilen des Monats gekürte Ausgabe wird jedoch nicht nur als Standardwerk oder wegen der erneuten Überarbeitung und Ergänzung mit Begriffen computergestützter Herstellung und Vertrieb von Büchern interessant, sondern vor allem durch die Gestaltung, die dem Buchinhalt nun auch eine adäquate Form gibt.
Das mag vermutlich auch der Grund sein, dass dieses Wörterbuch mehr ist als ein bloßes Nachschlagewerk. Man möchte die genaue Bedeutung eines Begriff nachlesen oder einfach nur schauen, ob ein selten gebrauchtes Wort aufgeführt ist, bleibt an den Illustrationen hängen, blättert in diesem Fachbuch herum und merkt erst nach einiger Zeit, dass man dabei ist, ein Lexikon wie einen Roman von vorn bis hinten zu lesen. Was gibt es für ein größeres Lob für diese Ausgabe eines Wörterbuches!
Abb.: Line Moerath, Taschenbuch
Bodo von Hodenberg, selbst Mitglied bibliophiler Gesellschaften wie dem Berliner Bibliophilen Abend, betont, dass für ihn und seine Favoritenpresse das „schöne Buch … aus Text und Illustration“ besteht, „in dieser Kombination erst vermittelt sich … die Leichtigkeit und die ‚Wirkung auf die Sinne‘“. Diese Aufwertung ist in hohem Masse gelungen und wurden von 24 Graphikern, darunter Cäcilie Hoff, die die Gestaltung übernahm, illustrativ beigesteuert, unter künstlerischer Leitung und konzipiert von Jakob Hinrichs und mit Pantone-Farbe auf 115gsm Munken white gedruckt.

Stefan Füssel, Das illustrierte Wörterbuch des Buches
8. erneut überarbeitete und neugestaltete Ausgabe 2026
auf der Grundlage des „Wörterbuch des Buches“ von Helmut Hiller 1954 - 1991

Bertolt Brecht, Tagebuch No. 10

Bibliophiles des Monats ist das Faksimile des Tagebuchs No. 10 von Bertolt Brecht, welches der damals 15jährige Schüler 1913 führte.
Siegfried Unseld (1924 - 2002) gab diese Handschrift mit einer Transkription und Anmerkungen von Günter Berg und Wolfgang Jeske (1951 - 2012) im Oktober 1989 in Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, jetzt mit Sitz in Berlin, heraus, 2 Bd. im Schuber, Fester Einband, 116 Seiten, Auflage 1200 Expl., Einband von G. Lachmaier, Reutlingen.

»Ein Tagebuch des Fünfzehnjährigen, das minutiös Aufschluss gibt über mehr als ein halbes Jahr seines Lebens, vom 15. Mai bis zum 25. Dezember 1913, Aufschluss über Schreiben, Tun, Denken, und das gleichzeitig ein faszinierendes Dokument des Fünfzehnjährigen ist, Schriftsteller, Dichter werden zu wollen, werden zu müssen: »Ich muss immer dichten«
(Siegfried Unseld, Einführung)

Deutschland, Deutschland über alles

Das Bibliophile des Monats Juni, „Deutschland, Deutschland über alles: ein Bilderbuch. Von Kurt Tucholsky und vielen Fotografen. Montiert von John Heartfield.“, erschien 1929 im Neuen Deutschen Verlag in Berlin. Es zählt, als gesellschaftskritisches Werk mit rund hundert Foto-Text-Montagen, zu den bekannteren Werken Kurt Tucholskys. Im Buch werden dessen Texte u.a. mit Fotomontagen von John Heartfield, der am 19. Juni vor 135 Jahren geboren wurde, kombiniert, wobei die Texte die Abbildungen nicht einfach erläutern, sondern die Fotografien umdeuten oder kritisch kommentieren.
Neuer Deutscher Verlag, Berlin 1929 (1. - 20. Tausend, 1. Aufl.)
Als Präambel ist dem Buch Zitat von Friedrich Hölderlin vorangestellt: „So kam ich unter die Deutschen. Ich forderte nicht viel und war gefasst, noch weniger zu finden. Demütig kam ich, wie der heimatlose blinde Oedipus zum Tore von Athen, wo ihn der Götterhain empfing; und schöne Seelen ihm begegneten – Wie anders ging es mir!
(Friedrich Hölderlin: Hyperion, Kapitel 67: Hyperion an Bellarmin)

Die Themen, die Tucholsky in seinem Buch anspricht, beziehen sich vor allem auf die damalige politische und gesellschaftliche Situation Deutschlands. Der Weltkrieg war 1918 zu Ende gegangen, die Revolution von 1918/19 war gescheitert, die Inflation war erst gerade abgeflaut. Die finanziellen und psychologischen Auswirkungen dieser Ereignisse prägten die deutsche Gesellschaft, die Demokratie steckte noch in den Kinderschuhen. Die Gesellschaft war geteilt durch starke soziale Gegensätze und Militarismus, wie auch ein überbordender Nationalismus waren immer noch an der Tagesordnung.
Obwohl sogar der Börsenverein der Deutschen Buchhändler versuchte, ein Boykott des Buches durchzusetzen und Anzeigenwerbung für den Titel ablehnte, worauf er sicher nicht stolz sein kann, und das Buch in der Weimarer Republik zu den umstrittensten Publikationen zählte, wurde es in den ersten zehn Tagen über 12.000-mal verkauft - bis heute wurde das inzwischen weltweit in vielen Sprachen erschienene Buch allein in Deutschland in mehr als 100.000 Exemplare gedruckt, so bereits 1929 als Lizenzausgabe parallel als Universum-Bücherei, bei Rowohlt ab 1964 und später als Taschenbuch, sowie in großen Auflagen in Verlag Volk und Welt in der DDR.

Berliner Schriftsteller erzählen

Bibliophiles des Monats ist im Mai ein Zeitdokument - die von vielen Autoren der DDR signierte Anthologie „Berliner Schriftsteller erzählen“.
Er erschien 1976 im Aufbau-Verlag, herausgegeben im Auftrag des Vorstandes des Bezirksverbandes Berlin des Schriftstellerverbandes der DDR und wurde den Delegierten der XI. Bezirksdelegiertenkonferenz Berlin der SED von Günter Görlich, Vors. des Bezirksverbandes, „mit einem herzlichen Dank für gute Leistungen bei der Verwirklichung der Beschlüsse des VIII. Parteitages der SED und bei der Entwicklung neuer Initiativen  zu Ehren des IX. Parteitages der SED“ übergeben.
Das Vorwort von Werner Neubert ist datiert „Berlin, 3, Januar 1976, am Tag des 100. Geburtstages von Wilhelm Pieck“.
Arno Mohr, Junges Paar im Treptower Park, Lithografie
Der Band enthält Texte von Autoren der Hautstadt der DDR, wie Ludwig RennAnna SeghersErwin StrittmatterStephan HermlinKarl-Heinz Jakobs und Volker Braun, von Erwin Strittmatter, Jo Schulz und Dieter Noll als Vorabveröffentlichung aus unvollendeten Romanen.
Anlässlich eines Leseabends im gerade eingeweihten Palst der Republik versahen zahlreiche Schriftsteller, darunter Uwe BergerWieland HerzfeldeJan KoplowitzHarald HauserRuth KraftHelmut BaierlHeinz KnoblochHermann KantEberhard PanitzFritz Rudolf FriesSarah KirschUwe KantWalter KaufmannGünter GörlichGerhard Holtz-BaumertHorst BastianWolfgang KohlhaaseBenito WogatzkiAlexander AbuschHelmut HauptmannHeinz Kahlau und Gabriele Eckart ihre Beiträge mit einer Signatur.
Illustriert wurde der Band von den Berliner Künstlern Kurt Zimmermann, Herbert Sandberg, Fritz Duda, Ronald Paris (farbig), Peter Edel, Theo Balden, Peter Hoppe, Heinrich Teßmer, Arno Mohr und Helmut Diehl.
Ronald Paris, Spanien 75, Aquarellzeichnung
Der Band mit 278 Seiten im Format 8° (20,5 x 14,5 cm), der auch im Buchhandel zum Preis von 6 Mark verkauft wurde, ist mit Farbkopfschnitt in rotes Kunstleder eingebunden, die Einbandgestaltung übernahm Heinz Helmis.
Herbert Sandberg, Aus dem Kommunistischen Manifest, Linolschnitt

E.T.A. Hoffmann im Verlag „Serapion vom See“

Im Jahr des 250. Geburtstages von E.T.A. Hoffmann am 24. Januar soll mit dem Bibliophilen des Monats an den Verlag „Serapion vom See“ von Michael Duske erinnert werden, der in Berlin ausschließlich Titel von E.T.A. Hoffmann verlegte - Künstlerbücher und Mappenwerke, u.a. von Michael KnobelAnke DziewulskiStephan Klenner-Otto oder Horst Hussel, auch einen Faksimile-Druck nach einem Skizzenbuch von Fritz Fischer. Der zwischen 1995 und 2010 aktive Verlag ist inzwischen erloschen, der Verlagsinhaber, das ehemalige Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft und des Berliner Bibliophilen Abend, lebt in einem Berliner Pflegeheim.

Michael Duske stellte, gerade eben, weil Hoffmann bereits oft illustriert wurde, an die Editionen seines Verlags hohe Ansprüche und verwendete möglichst klassische Originalgrafik wie Radierung, es sind somit jeweils seltene Originalkunstwerke in Buchform.
Als Bibliophiles des Monats, gleichzeitig die Empfehlung für den Bibliophilen des Hamburger Bothen, wird hiermit Band II der „Berlinische Geschichten“ vorgestellt, eine Graphikmappe, die E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Die Brautwahl“, illustriert von Steffen Faust enthält; Band I dieser Reihe war „Aus dem Leben eines bekannten Mannes“, illustriert und gestaltet von Xago.

Die 2001 erschienen Mappe „Die Brautwahl“ enthält neun Farbradierungen von Steffen Faust, alle vom Künstler betitelt, nummeriert und signiert. Die Titelgrafik wurde handkoloriert. Ein zehnseitiges Beiheft erläutert die Graphiken im Format 20 x 15cm, Blattgröße 28 x22cm, in einer handgearbeiteten Flügelmappe mit Fenster für das Aquarell. Diese Grafiksuite erschien in einer Auflage von 30 Exemplaren und 10 Künstlerexemplaren. Acht Exemplare enthalten zusätzlich einen Farbentwurf zu einer Einzelradierung.

Alfred Meißner - Heinrich Heine

Bibliophiles des Monats ist eine Erinnerung an Heinrich Heine, dem vor 170 Jahren, am 17. Februar in Paris verstorbenen deutschen Dichter, Schriftsteller und Publizisten, der als letzter Vertreter und Überwinder der Romantik gilt.
Der Reprint des Zentralantiquariats der DDR „Heinrich Heine, Erinnerungen von Alfred Meißner“. in Zweiten Auflage 1856 bei Hoffmann u. Campe, Hamburg erschienen, wurde mit einem Nachwort von Bruno Kaiser den Mitgliedern der Pirckheimer-Gesellschaft als Jahresgabe 1972 zu Ehren des 175. Geburtstages von Heine und des 150. Geburtstages von Meißner überreicht.

Es ist damit die erste Gabe dieser Gesellschaft, die ich als neues Mitglied, 1973 dort eingetreten, zur Begrüßung erhielt. Und das ist auch der Grund, dieses Büchlein hier als mein ganz persönliches "Bibliophiles des Monats" vorzustellen, den heutzutage ist es problemlos und für kleines Geld, sogar als Erstausgabe oder in Ausgaben des frühen 20. Jahrhunderts, zu erstehen.