Die Mona Lisa der Staatsbibbliothek zu Berlin

Die Staatsbibliothek zu Berlin stellt jeden Monat ein ausgewähltes besonderes Objekt aus seinen Sammlungen vor – von aktueller Buchkunst bis zu gefälschten Zeitungen. In kleiner Runde kann man die Stücke aus nächster Nähe betrachten und mit Experten ins Gespräch kommen.
Kreuzzugsbulle Rom 29.VI.1456. 8° Inc 1512.20, Bl. 1a
Eines der berühmtesten Bücher der Staatsbibliothek ist die Gutenberg-Bibel von 1454/55, intern auch „Unsere Mona Lisa“ genannt. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass die Staatsbibliothek weitere Ausgaben aus den ersten Jahren des Buchdrucks besitzen, die in Mainz von Gutenberg oder seinen Werkstattnachfolgern hergestellt wurden. Einige dieser Erstlinge der „schwarzen Kunst“ zeigt Falk Eisermann zum Teil erstmals öffentlich im Original gezeigt (aber leider nicht die Mona Lisa selbst).

18. Februar 2026, 16 Uhr, Anmeldung erforderlich

Staatsbibliothek zu Berlin
Raum Oxford
Unter den Linden 8, 10117 Berlin

Bücherschicksale

Im Jahr 2007 wurden dem Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutsche Nationalbibliothek von einer Privatperson mehrere Dissertationen von 1933 mit einem Durchschuss angeboten. Nach dessen Aussage stammt der Durchschuss aus dem Zweiten Weltkrieg, als 1945 in Berlin-Mitte tausende Bücher als Sichtschutz genutzt wurden. Leider weiß man nicht, ob das in einer Bibliothek geschah oder was genau der Hintergrund war. Auf jeden Fall ging der Durchschuss durch mehrere der dünnen Hefte.
DNB, Cornelia Ranft
Bis zur Wende waren die Dissertationen im Besitz der Universitätsbibliothek Berlin. Im Zuge der Vereinigung von Beständen, so schrieb der Schenker, wurden dann doppelte Exemplare ausgesondert und verschenkt. Der Stempel „Universitätsbibliothek Berlin“ wurde mit „ungültig“ überstempelt. Das Museum bewahrt zwei der Dissertationen im Originalzustand auf. Dass sie so nicht als Publikation benutzbar sind, ist unproblematisch, da sich jeweils ein unbeschädigtes Exemplar im Bestand der DNB befindet. Aufgrund ihrer Bedeutung als Zeugnisse der Zeitgeschichte sind sie auf jeden Fall wert, im Museum aufbewahrt und mit ihren Besonderheiten gezeigt zu werden.

Zwischen Anarchie und Kunst

Eine Themenführung durch die Bibliothek, den Lesesaal und das Magazin des Archivs der Akademie der Künste am Pariser Platz zeigt die Bibliothek des Dichters Bert Papenfuß.
Er war unangepasst und Teil der Subkultur des Prenzlauer Bergs: Bert Papenfuß (1956–2023) – Lyriker, Musiker, Künstler und Kneipenbesitzer. Durch seine engen Kontakte zur Kunstszene entstanden seit den 1980er-Jahren besondere Buchprojekte, meist Editionen in Kleinstauflagen, die in seiner Privatbibliothek überliefert sind. Diese Künstlerbücher bilden eine einzigartige Symbiose aus Text und Bild und stellen eine eigenständige, variantenreiche Kunstform dar.

Am 11. Januar 2026 wäre Bert Papenfuß 70 Jahre alt geworden. Eine Präsentation mit anschließender Magazin-Führung gibt exklusive Einblicke in den Bestand der Künstlerbücher und erinnert an den „Sprachspieler“ Papenfuß.

6. Februar 2026, 16 Uhr

Bibliothek der Akademie der Künste
Pariser Platz 7, 10963 Berlin

Michael Ley (1953 - 2026)

Michael Ley, vielem Liebhabern des Künstlerdrucks als miley bekannt, ist am 6. Januar verstorben.
Wir lernten uns auf der ersten artbook.berlin 2012 näher kennen, kannten uns aber schon zuvor als Bücher- und Graphikfreunde, Michael kam dann durch mich zur Pirckheimer-Gesellschaft. In den Folgejahren verband uns fast so etwas wie eine Freundschaft, ich verpasste keinen seiner Auftritte zum Ortstermin Moabit des Kunstvereins Tiergarten, war auf der Mainzer Minipressen-Messe, besuchte seine Ausstellungen, zuletzt 2022 in der Heilandskirche. Ich erlebte die Geburt von Drittbrett, einem Künstlerkollektiv, welches er gemeinsam mit Udo Würtenberger und Werner Noske gründete und begeisterte mich an seinen Beiträgen zu verschiedenen Mailart-Projekten. Bei all dem, was er tat, war es ihm wichtig, Anderen das Verständnis für die Kunst, vor allem die Möglichkeit Druckkunst, nahezubringen.
2023 trat Michael Ley aus der Pirckheimer-Gesellschaft 2023 aus und dem Berliner Bibliophilen Abend bei, an dessen Arbeit er schon zuvor teilnahm.
Als Künstler engagierte sich Michael Ley für ein humanistisches Verhältnis zur Natur und ein verständnisvolles Miteinander der Menschen. Neben seiner künstlerischen Arbeit investierte Michael Ley, nach einer Krebsoperation 2002 mit Verlust seines Kehlkopfes gesundheitlich schwer gezeichnet, seine Kraft als Vorsitzender einer Krebs-Selbsthilfegruppe. Im September 2021 wurde sein Künstlerbuch, ein visuelles Tagebuch nach der Mahnung von Joseph Beuys „Zeige Deine Wunde“, wie zuvor schon andere Arbeiten, Bibliophiles des Monats.

(Abel Doering)

BBA besuchte die Akademie der Künste

Dr. Carsten Wurm vor einer Collage von Franz Fühmann
unten: Stapel des Archiv Klaus Staeck, von Mitarbeitern „Roter Igel“ getauft, vor dem Eingang der Ausstellung, im der auch Dokumente zur Kinder- und Jugendgalerie Sonnensegel in Brandenburg an der Havel und seine Zusammenarbeit mit Armin Schubert zu finden sind. Fotos: ad
Der Berliner Bibliophilen Abend traf sich zu einer bibliophilen Führung durch Dr. Carsten Wurm in der Ausstellung zu 75 Jahren Archiv der Akademie der Künste „out of the box“.
Nebenan wartete eine Schar junger Mädchen auf Tokyo-Hotel, der Berliner Bibliophilen Abend traf sich jedoch in der Akademie der Künste vor dem Eingang der Ausstellung am „roten Igel“, dann ging es durch eine Lichtinstallation zu den 75 Exponaten, beginnend mit der Vorgeschichte des Archivs aus der Preußischen Akademie begleitete Dr. Carsten Wurm eine Führung durch das Archiv, darunter u.a. die Urfassung der DDR-Nationalhymne von Johannes R, Becher, einer Collage von Franz Fühmann, Bertolt Brechts „Manuskriptschränkchen“, Briefe von Anna Seghers an ihren Verlobten und eine Sammlung von Ausgaben „Das siebte Kreuz“, sowie Walter BenjaminsWas ist Aura?“.
Dr. Carsten Wurm (lks.) und Abel Doering, Foto © Ralf Parkner

Berlin: Bibliophile treffen Künstler

Gestern fand im Kunstsalon Am Weißen See die Finissage einer Ausstellung statt, auf der u.a. Künstlerbücher von Hanneke van der Hoeven und Bilder von Karin Grote und Skadi Engeln gezeigt wurden.
corn.elius neben Hanneke van der Hoeven
Für Bibliophile in Berlin eine Einstimmung in das Veranstaltungsjahr 2026 - die Berlin-Brandenburger Pirckheimer werden am 21. Mai den Ort der Vollendung der gezeigten Künstlerbücher, die edition wasser im turm von corn.elius, besuchen; der Berliner Bibliophilen Abend wird am 18. Juni bei einem Atelierbesuch weitere Druckgraphik von Skadi Engeln zu sehen bekommen.
Skadi Engeln vor ihren Siebdrucken, 2025, „Berrichon-Kühe“, Fotos © ad