Werkschau der Kinder- und Jugendgalerie Sonnensegel

Die Sommerausstellung, wahrscheinlich ist es die bunteste Bilderschau im jährlichen Galeriebetrieb, zeigt rund 200 Arbeiten aus den Kursen von Steffi Möbius, Nancy Jahns, Janine Wentorf und Sven Märkisch, darunter Malerei, Plastiken und Grafiken.
Die bildnerischen Arbeiten belegen nicht nur den unerschöpflichen Einfallsreichtum und das handwerkliche Können der jungen Leute, sondern reflektieren auch die Auseinandersetzung mit Werken namhafter Künstlerinnen und Künstler, die den Kursteilnehmern in „Sonnensegel“- Ausstellungen begegneten. So werden dem aufmerksamen Betrachter erfrischende Adaptionen der Bilder von Angela Hampel und Olaf Hajek begegnen, die oft heiter oder manchmal auch ernster das künstlerische Vorbild kommentieren.
Auf Einladung des Jugend-Kunst-Galerie Sonnensegel e.V. nimmt Oberbürgermeister Daniel Keip an der Eröffnung der Sommerausstellung teil.

Ausstellungseröffnung mit Sommerfest: 2. Juli 2026, 16.30 Uhr

Galerie Sonnensegel
Brandenburg a.d. Havel, Gothardtkirchplatz

Klaus Märtens (1937 - 2026)

Die Galeristen-Legende Klaus Märtens ist am 28. Juni, 89-jährig, im Seniorenhaus Johannes Rau in Moers gestorben.
Archi Galentz, Porträt Klaus Märtens, um 2000 (Tempera auf Holz in 15x15cm)
Klaus Märtens, der Kunst-Enthusiast mit seiner Galerie Taube und dem alljährlichen Dezembersalon, ist eine Legende. 1973 gründete der 1937 in Pommern geborene, nach der Flucht 1945 im niederrheinischen Viersen aufgewachsene Kunstpädagoge die Galerie Taube in der Pariser Straße, Wilmersdorf.

Märtens bekannte bei vielen Gelegenheiten, nach dem Mauerfall auch als aktives Mitglied in der nunmehr auch im Westen wirkenden Pirckheimer-Gesellschaft, wer sein Vorbild in Sachen Haltung zu Figur und Gegenständlichkeit war: „Karl Hofer ist mein Prophet!“
Bis zum 30-jährigen Galerie-Jubiläum hatte Märtens 189 durchnummerierte Ausstellungen auf die Beine gestellt und dabei darauf geachtet, dass er Bilder zeigte, die er „selber gerne gemalt hätte“. Da waren Namen wie die des jüdischen Stillleben-Malers Pavel Feinstein, des kauzigen Schweizers Rudolf Stüssi, des Bildhauers Robert Metzkes aus dem Berliner Osten und des Landschaftsradierers Walter Herzog aus Dresden dabei. Und selbstredend Urgesteine der Galerie wie der Stadtmaler Klaus Jurgeit, dessen Motive Lokalkolorit versprühen. Oder Edwin Dickmann, dessen 1960 entstandenes, dunkles Ölbild „Die Hinrichtung“ heute, in Zeiten von neuen Machtkämpfen und Kriegen wieder erschreckend aktuell wirkt.

Corona-Pandemie und Krankheit zwangen den Galeristen 2022, sein Lebens- und Herzensprojekt aufzugeben.

(Ingeborg Ruthe, Berliner Zeitung)

Libation am Grab von E.T.A. Hoffmann

Anlässlich des 204. Todestages von E.T.A. Hoffmann traf sich die gleichnamige Gesellschaft und Freunde des Berliner Bibliophilen Abend zur traditionellen Feier an seinem Grab auf dem Berliner Jerusalemskirchenfriedhof.
Jörg Petzel hält die Grabrede des Kater Murr

TERMINABSAGE

Das Berliner Bücherfest 2026 wird lt. einer Pressemitteilung der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe vom 25. Juni 2026 wegen hoher Temperaturen abgesagt.

Ein Dichterkraut, blaublühend

Cymbelkraut (Linaria cymbalaria), Foto: Ulrich Goerdten 
In der Wartburgstraße im Berliner Stadtteil Schöneberg gibt es einen gut gepflegten Vorgarten, dessen Gewächse das ganze Jahr über blühen. Auch ein unscheinbares Pflänzchen blüht dort von Juni bis Oktober, das Cymbelkraut. Es wächst in einer Art Polster über den Rand des Begrenzungsmäuerchens und streckt seine Spitzen bis auf den Bürgersteig. Der eilende Fußgänger wird bei seinem Anblick das Marschtempo verzögern, sofern er literaturkundig ist. Er wird einen Blick des Gedenkens auf diese Pflanze werfen, besonders am 25. Juni, dem Geburtstag des Dichters Heinrich Seidel (1842–1906). Von ihm gibt es einen Aufsatz mit dem Titel „Linaria cymbalaria“ im Jahrgang 1893 der Familienzeitschrift „Daheim“, der dann auch in den Band 12 seiner „Gesammelten Schriften“ aufgenommen worden ist.
Linaria cymbalaria ist der botanische Name der erwähnten Pflanze. Heinrich Seidel berichtet, dass er dieses grüne Kraut, das eher in südlichen Ländern heimisch ist, nach Berlin eingeschleppt hat, weshalb er von den orthodoxen Botanikern als Florafälscher und „Ansalber“ beschimpft wurde. Den Dichter hat das nicht angefochten. Vergnügt schreibt er in dieser „Geschichte voll kleiner Freuden und Enttäuschungen“, er würde wohl gern „eine kleine grüne Spur hinterlassen auf dieser Erde. Zwar hat er allerlei kleine Lieder und Geschichten ans Licht gestellt, allein diese entstanden aus der Zeit für die Zeit und werden schwinden mit der Zeit. Sie werden einst vergessen sein, und nur auf den höchsten Borten zurückgebliebener Leihbibliotheken in kleinen abgelegenen Landstädten werden die kleinen Bände noch stehen, und niemand mehr wird nach ihnen fragen. Dann aber wird vielleicht noch ein kleines zierliches Pflänzchen, das aus dürren Mauerritzen lieblich vervorgrünt, lebendige Kunde geben, daß der Verfasser jener vergessenen Geschichten einst über diese Erde gegangen ist“.

(Ulrich Goerdten)

Anmeldung zur artbook.berlin 2026

Von allen Drucker/innen und Buchkünstler/innen sehnsüchtig erwartet, startet der Countdown zur Bewerbung für die Teilnahme an der artbook.berlin2026 im November in Berlin.
Alle wichtigen Informationen im PDF (klick auf die Abb.) oder im Blog der artbook.berlin
Sollten doch noch Fragen existieren, dann gibt es Antworten vom corn.elius direkt unter +49 178 33 91 321
(corn.elius+hanneke von der artbook.berlin2026)

204. Todestag von E.T.A. Hoffmann

Anlässlich des 204. Todestages von E.T.A. Hoffmann trifft sich die gleichnamige Gesellschaft und Freunde des Berliner Bibliophilen Abend zur traditionellen Feier an seinem Grab auf dem Berliner Jerusalemskirchenfriedhof.
Stefan Klenner-Otto, Cover zu „SCHNURRPFEIFENKARUSSELL“, Ausschnitt
Für die Zeremonie am Grab werden die Teilnehmer obligate Objekte, wie Blumen, sowie Becher für den Libations-Wein, dabei haben und ab 19 Uhr in der nahegelegenen Taverna Dionysos ein Glas auf den Geehrten leeren. Auf der Tagesordnung steht dann eine Vorschau durch Jörg Petzel auf die internationale E.T.A. Hoffmann-Konferenz vom 16. - 17. Juli 2026 in Oxford.

Zwei Tage darauf wird Stephan Klenner-Otto im thüringischen Wurzbach „E.T.A. Hoffmann. Bilder und Gedichte“ vorstellen. 

Libation: 25. Juni 2026, 18 Uhr
Jerusalemskirchenfriedhof
Mehringdamm 21 (neben dem nördlichen Eingang zum U-Bahnhof Mehringdamm)

Stephan Klenner-Otto: 27. Juni 2026
Kunsthaus Müller
Markt 6, 07343 Wurzbach OT Wurzbach

Julius Stettenheim, Plaudereien

Nach dreizehn langen Jahren werde ich den von mir früher einmal herausgegebenen drei berlinbezogenen Textsammlungen (Alt-Berlin in Gotthilf Weissteins Feuilletons. 2007; Emil Jacobsen: Zur Geschichte meines Tegeler Besitzthumes. 2011 und Johannes Trojan: Berliner Bilder. Hundertdreiunddreißig unbekannte Momentaufnahmen. 2013. ) ein viertes Buch mit Berlin-Texten von Julius Stettenheim hinzufügen, das derzeit in der Herstellung ist.
Der Verleger Marc Berger (Schwarzdruck, Gransee) hat mir das Cover geschickt, das ich, zum Appetit machen, hier schon mal vorstelle in der Hoffnung, dass der Klappentext auch gelesen werden kann.
(Ulrich Goerdten)

Atelierbesuch bei Skadi Engeln

Der Berliner Bibliophilen Abend besuchte am 18. Juni 2026 Skadi Engeln, Bibliophilen bekannt von der artbook.berlin oder der artGrafik Ahrenshoop, in ihrem Atelier anlässlich der Finissage einer Ausstellung zu artspring.
Skadi Engeln präsentiert Siebdrucke, Foto © ad

Jürgen Wilke zum 88.

Freunde des Buches und der Druckgraphik kennen den heutigen Jubilar Jürgen Wilke nicht nur als letzten Drucker von Conrad Felixmüller, sondern auch als langjähriges aktives Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft und des Berliner Bibliophilen Abend und von vielen Vorträgen zu seiner Leidenschaft und von Ausstellungen seiner Sammlung.
Jürgen Wilke, in der Ausstellung „Gerhard Goßmann“ anlässlich der Jahresexkursion des Berliner Bibliophilen Abend 2024
Dafür ist ihm heute, am 16. Juni, seinem Geburtstag, zu danken! Herzlichen Glückwunsch!

Lettland erLesen

In der Reihe „Im Fokus: Auf Entdeckungsreise durch unsere Sammlungen“ werden monatlich besondere Objekte aus den Beständen der Staatsbibliothek zu Berlin vorgestellt. Im Juli kann man
einen Blick in die lettische Buchgeschichte werfen.
Merkel, Garlieb Helwig: Latweeschi, sewischķi widsemneeki, filosofiskà gadu simteņa beigâs : No G. Tulkojis Aleksandrs Buhmanis - Sw. Peterburgâ : Gulbis, 1905
1525 beginnt die Geschichte des Buchdrucks in lettischer Sprache mit einem Krimi. Die ersten lettischen Bücher wurden auf dem Weg nach Riga im damals katholischen Lübeck beschlagnahmt und verbrannt, da es sich um „lutherische Texte“ handelte.
500 Jahre alte Drucke in Lettisch besitzt die Staatsbibliothek leider nicht, vorgestellt werden Drucke aus und über Lettland in deutscher und lettischer Sprache aus den letzten 200 Jahren: Einblicke in die deutschbaltische Geschichte, Werke zur lettischen Sprache, Klassiker auch in Übersetzung sowie einige moderne Drucke.

15. Juli 2026, 16 Uhr

Staatsbibliothek zu Berlin, Haus 2
Potsdamer Straße 33, 10785 Berlin

Einhornfest


Illustrationen von Olaf Hajek

Die erfolgreiche Frühjahrsausstellung „Im magischen Bildergarten des Olaf Hajek“ geht mit einer besonderen Aktion zu Ende.
O. Hajek © Anthony Perez

Der international bekannte und vielfach preisgekrönte Illustrator Olaf Hajek stattet der Kinder- und Jugend-Kunst-Galerie „Sonnensegel“ zur Finissage seiner Bilderschau einen Besuch ab, führt Kurskinder sowie Besucher durch die Ausstellung und wird Bücher und Plakate signieren.

Finissage: 18. Juni 2026, 15:30 Uhr

Kinder- und Jugend-Kunst-Galerie „Sonnensegel“
Gotthardtkirchplatz 4, 14770 Brandenburg an der Havel,

Kunst für die SLB Potsdam

Der Ketziner Künstler Tobias Kielinger hat der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam mehrere besondere Drucke geschenkt.
In dieser Werkserie werden fundamentale Sätze der Philosophiegeschichte – von Descartes’ „Cogito ergo sum“ über Hegels „Das Wahre ist das Ganze“ bis hin zu Nietzsches „Gott ist tot“ und Wittgensteins Reflexion über die Grenzen der Sprache – einer radikalen Transformation unterzogen. Durch die physische Übereinanderschichtung der Buchstaben entstehen Schriftbilder, die den Text hinter sich lassen und zur eigenständigen Ikone werden.

Dieser Prozess vollzieht sich im Sinne der hegelschen Trias der Aufhebung:
1. Auflösung: Die lineare Lesbarkeit des Satzes wird zerstört. Die Information zerfällt in ihre graphischen Bestandteile und entzieht sich der rein rationalen Logik.
2. Bewahrung: Der philosophische Gehalt bleibt im Fundament des Werkes präsent. Der Satz verschwindet nicht, er bildet den unsichtbaren Kern der Form.
3. Transformation: Das Werk wird auf eine neue Ebene gehoben. Das ehemals sprachliche Konzept wird in den Raum der Kunst überführt und manifestiert sich als visuelle Wahrheit, die über das bloße Wort hinausweist.

neue Mitglieder im Berliner Bibliophilen Abend

Im ersten Halbjahr 2026 konnte der Berliner Bibliophilen Abend zwei neue Mitglieder begrüßen.

  • Die Gesellschaft der Bibliophilen, 1899 gegründet und damit die älteste Bibliophilen-Vereinigung in Deutschland, aus der auf Initiative von Fedor von Zobelritz 1905 die regionale Gruppierung hervorging, ist jetzt Mitglied des BBA.
  • Und auch Bodo von Hodenberg, Geschäftsführer der 2020 von ihm gegründeten Favoritenpresse, ist neues Mitglied im BBA, eine eigentlich logische Entscheidung, versteht sich doch sein Verlag als »Liebhaberprojekt für bibliophile Spezialfälle« (FAZ).

Herzlichern Glückwunsch

Heute gehen Geburtstagsgrüße gleich an drei Mitglieder bibliophiler Gesellschaften. Jutta Osterhof feiert ihren 85. Geburtstag, Ninon Suckow ihren 78. und Constanze Kreiser ihren 65.
Jutta Osterhof bei einem Vortrag über Eberhard Schlotter vor dem BBA 2012
Constanze Kreiser auf der 4. BuchKunstPotsdam 2026



Jutta Osterhof und Ninon Suckow
sind langjährige Mitglieder des
Berliner Bibliophilen Abend,
der Pirckheimer-Gesellschaft,
sowie in weiteren Gesellschaften
aktiv und beide sind oder waren
Mitglieder der Revisionskommission
in diesen Verbänden.

Die Buchkünstlerin 
Constanze Kreiser wurde 
2017 auf der artbook.berlin auf die
Pirckheimer-Gesellschaft 
aufmerksam und ist seitdem 
Mitglied dieser Gesellschaft.
Ninon Suckow, Adventabend der Pirckheimer-Gesellschaft 2025, Fotos © ad
1 Kommentar:
13. Juni 2026: Julia Rinck hat gesagt…
Herzlichen Glückwunsch! 🎉

Buchpatenschaft der SBB, Juni 2026

Polgar, Alfred Geschichten ohne Moral
Zürich, Oprecht Verlag, 1943
Alfred Polgar (1873 – 1955) war ein österreichischer Schriftsteller, Aphoristiker, Kritiker und Übersetzer und ist einer der bekanntesten Autoren der Wiener Moderne.

Die im zu restaurierenden Band versammelten kurzen Erzählungen erschienen in dem Oprecht Verlag, in dem viele Exilautoren eine Möglichkeit für Veröffentlichungen fanden, mit dem Hinweis: Dieses Buch wurde in einer ersten Auflage von 800 nummerierten Exemplaren hergestellt. Dieses Exemplar trägt die Nummer: 39.
Der Band stellt eine Auswahl aus acht früheren Büchern des Autors dar, die vergriffen und teilweise verbrannt sind. Viele Stücke erscheinen hier teilweise in geänderter Form. Einige bisher nicht veröffentlichte sind hinzugekommen.

Nötige Reparaturen: Einbandrestaurierung
Kalkulierte Kosten: 125 €

Digitalisat der ZLB

Das Digitalisat des Monats Juni 2026 der Zentral- und Landesbibliothek Berlin ist „Die Entdeckung Berlins“ von Henry F. Urban.
Digitalisat aufrufen durch Klick auf die Abb.
Henry F. Urban schildert in seinem 1911 erschienenen Buch das Berlin der Kaiserzeit – mit Humor, scharfem Blick und Zeichnungen von Paul Haase. Straßen, Cafés und Amtsstuben werden so zu einem lebendigen Porträt der Metropole um 1910.
Das Exemplar aus dem Bestand der ZLB hat jedoch eine belastete Geschichte: Die Zugangsnummer „J 446“ weist darauf hin, dass der Band 1943 aus einem Ankauf der Berliner Stadtbibliothek stammt – mit Büchern aus den Wohnungen deportierter Berliner Jüdinnen und Juden. Damit ist er ein Beispiel für NS-Raubgut.

1 Kommentar:
09. Juni 2026: Bernd Friedrich Schulz hat gesagt…
Interessanter Aspekt. Wer das Buch jedoch in die Hand nehmen möchte: etliche antiquarische Angebote lassen sich finden

„Hauptmann ist schuld!“

Die Pirckheimer-Gesellschaft und der Berliner Bibliophilen Abend luden zu einer Veranstaltung des Kulturhistorischen Vereins Friedrichshagen zum Gerhart Hauptmann-Tag aus Anlass seines 80. Todestages ein.
Stefan Rohlfs, Direktor des Hauptmann-Museums in Erkner in der Ausstellung
Hauptmann ist schuld!“ – so heißt die Ausstellung, die im Antiquariat Brandel eröffnet wird. Im Zentrum der Veranstaltung standen die gegenseitigen Beziehungen zwischen Gerhart Hauptmann und dem Friedrichshagener Dichterkreis. Programmpunkte waren eine Lesung mit Gabriele Streichhahn sowie ein Vortrag von Lars-Broder zu Wilhelm Spohrs Versuch, ab 1946 ein Dichterkreis-Museum zu initiieren. Dabei ist auch Stefan Rohlfs, Museumsdirektor des des Hauptmann-Museums in Erkner.

BUCHSALON #10: Nora Schattauer

In der Veranstaltungsreihe „Buchsalon | Bühne frei für das Buch!“ der Kunstbibliothek sprechen Maren Wienigk, Kuratorin der Sammlung Architektur und Ornament, und Michael Lailach, Kurator der Sammlung Buchkunst, mit Gästen über neue und alte Bücher.
Nora Schattauer, Blaue Bücher, Ateliereinblick, 2026 © Nora Schattauer
Der zehnte Gast ist die Künstlerin Nora Schattauer. Sie arbeitet zeichnerisch und malerisch auf Papier. Ihre Arbeit ist eine Verbindung von ästhetischer Praxis und Erkenntnispraxis. Auch in der Variation des Ähnlichen zeigt sich – von einem reichen Bewegungsmoment erfüllt – eine große Unterschiedlichkeit. In ihren Büchern und Heften verbinden sich Wort und Bild, sprachliche Notate und experimentelle Zeichnung mit Farbstoffen und Durchdrucken durch Kohlepapier. Mit jedem Buch und Heft eröffnen sich neue Reflexionen über eine ungewöhnliche Bildsprache, über abstrahierte Naturformen und die Möglichkeiten ihrer künstlerischen Darstellung.

11. Juni 2026, 20 Uhr
Kulturforum
Matthäikirchplatz 6, 10785 Berlin

100 Beste Plakate 25

Der Wettbewerb „100 Beste Plakate D A CH“ feiert dieses Jahr sein 25. Jubiläum. 2001 wurde er im Zusammenschluss der drei Länder Deutschland, Österreich und Schweiz neu gegründet.

2026 wurden 2.297 Einzel- und Serienplakaten des Vorjahres von 676 Studios und Gestaltern eingereicht, wobei das Kulturplakat stark vertreten ist.
Die Jury prämierte 30 Arbeiten aus Deutschland, 62 aus der Schweiz und 8 aus Österreich, von Auftragswerken bis zu studentischen Projekten. Gestalterisch zeigt sich 2025 als ein selbstbewusster Jahrgang, der in minimalistischer Typografie und Schwarz-Weiß ebenso überzeugend auftritt wie in großen Bildgesten und expressiven Farbkonstellationen.

Zur Ausstellung erscheint das Jahrbuch
„100 Beste Plakate 25 D A CH“, Slanted Publishers,
Gestaltung: Ira Ivanova und Lou Hillereau (Berlin)
Dabei hat man sich nicht nur auf formalästhetische Qualitäten konzentriert, sondern auch ein Schlaglicht auf gesellschaftskritische Inhalte gesetzt: Es wird in kräftigen Lettern und lauten Farben zum Umdenken und Widerstand aufgefordert, für Menschenwürde und queere Rechte protestiert, Mut zur Wut gemacht. Das gut gestaltete Plakat zeigt wieder seine Kraft als politischer Botschaftsträger.

Faszinierend ist auch die Fülle an (analogen) Materialien und Techniken, die Eingang in die (digitale) Plakatgestaltung finden:
Von Stroboskop-Bildern aus Olivenöl, Schmutz und Kreide über Fingerschrift in Tusche bis hin zu Pen-Plottern. Eine Plakatserie arbeitet mit Kressesamen, um „Unsere Klimaziele“ in ein lebendiges Bild zu übersetzen. Beim Drucken kommen Risografie und Siebdruck ebenso zum Einsatz wie Kraftpapier und Glanzlacke.

Die „100 Besten Plakate 25“ werden bei freiem Eintritt am Kulturforum präsentiert, danach gehen sie auf Tournee in Deutschland, Österreich, der Schweiz, sowie in Korea und an weitere Orte.

12. Juni - 05. Juli 2026
Kunstbibliothek am Kulturforum
Matthäikirchplatz 6
10785 Berlin

Deutschland, Deutschland über alles

Das Bibliophile des Monats Juni, „Deutschland, Deutschland über alles: ein Bilderbuch. Von Kurt Tucholsky und vielen Fotografen. Montiert von John Heartfield.“, erschien 1929 im Neuen Deutschen Verlag in Berlin. Es zählt, als gesellschaftskritisches Werk mit rund hundert Foto-Text-Montagen, zu den bekannteren Werken Kurt Tucholskys. Im Buch werden dessen Texte u.a. mit Fotomontagen von John Heartfield, der am 19. Juni vor 135 Jahren geboren wurde, kombiniert, wobei die Texte die Abbildungen nicht einfach erläutern, sondern die Fotografien umdeuten oder kritisch kommentieren.
Neuer Deutscher Verlag, Berlin 1929 (1. - 20. Tausend, 1. Aufl.)
Als Präambel ist dem Buch Zitat von Friedrich Hölderlin vorangestellt: „So kam ich unter die Deutschen. Ich forderte nicht viel und war gefasst, noch weniger zu finden. Demütig kam ich, wie der heimatlose blinde Oedipus zum Tore von Athen, wo ihn der Götterhain empfing; und schöne Seelen ihm begegneten – Wie anders ging es mir!
(Friedrich Hölderlin: Hyperion, Kapitel 67: Hyperion an Bellarmin)

Die Themen, die Tucholsky in seinem Buch anspricht, beziehen sich vor allem auf die damalige politische und gesellschaftliche Situation Deutschlands. Der Weltkrieg war 1918 zu Ende gegangen, die Revolution von 1918/19 war gescheitert, die Inflation war erst gerade abgeflaut. Die finanziellen und psychologischen Auswirkungen dieser Ereignisse prägten die deutsche Gesellschaft, die Demokratie steckte noch in den Kinderschuhen. Die Gesellschaft war geteilt durch starke soziale Gegensätze und Militarismus, wie auch ein überbordender Nationalismus waren immer noch an der Tagesordnung.
Obwohl sogar der Börsenverein der Deutschen Buchhändler versuchte, ein Boykott des Buches durchzusetzen und Anzeigenwerbung für den Titel ablehnte, worauf er sicher nicht stolz sein kann, und das Buch in der Weimarer Republik zu den umstrittensten Publikationen zählte, wurde es in den ersten zehn Tagen über 12.000-mal verkauft - bis heute wurde das inzwischen weltweit in vielen Sprachen erschienene Buch allein in Deutschland in mehr als 100.000 Exemplare gedruckt, so bereits 1929 als Lizenzausgabe parallel als Universum-Bücherei, bei Rowohlt ab 1964 und später als Taschenbuch, sowie in großen Auflagen in Verlag Volk und Welt in der DDR.